![]() | 7: Secondigliano
|
Während das Bauwerk langsam zuwächst, erkennt man am nördlichen Ende der Anschlussstelle eine weite Baugrube mit einer Reihe horizontaler Aussteifungsträger: Hier hätte die Straße in zwei Tunnelröhren über rund 1.500 bergmännisch aufgefahrene Meter nach Norden geführt werden sollen. Die unterirdische Verkehrsader hätte Arzano und Miano miteinander verbunden — ein Versuch der öffentlichen Verwaltung, vernachlässigte Vororte enger an die Stadt anzubinden.
Die Tunnelarbeiten dauerten bereits seit Jahren. Dann kam der Schicksalstag, der 23. Januar 1996: Es fehlten noch etwa 200 m bis zum Durchstich. Unter der quirligen zentralen Verkehrskreuzung von Secondigliano waren zu diesem Zeitpunkt elf Arbeiter im finsteren Tunnel beschäftigt. Plötzlich brach die Straße ein. Ein dreistöckiges Wohnhaus stürzte in sich zusammen und hinab in den sich öffnenden Krater. Gas entwich aus geborstenen Leitungen. Es kam zu einer Explosion. Elf Menschen verloren ihr Leben.
Die Tragödie hatte sich angekündigt; sie erschien beinahe unvermeidbar. Schon vor dem Unglück war es immer wieder zu Setzungen und Rissen an Gebäuden gekommen. Besorgte Bürger forderten die Einstellung der Tunnelarbeiten. Der nur wenige Meter unter der Oberfläche verlaufende Tunnel schürte Angst. Tatsächlich wurde der Bau mehrmals gestoppt, Gutachten wurden eingeholt, es wurde beruhigt und gehandelt. Und weitergebaut.
Im Krater verloren zwei Mädchen ihr Leben, die um halb fünf nachmittags die stark befahrene Straße überqueren wollten. Außerdem starben zwei Männer in einem Lieferwagen, der Fahrer eines Autos, eine junge Studentin, die im Zimmer ihrer Eltern lernte, sowie fünf Tunnelarbeiter. Elf Leben.

